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Regierung will klare Symbole auf Lebensmittelverpackungen

 

Fakten und Hintergründe

 

Union und SPD haben es in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart: Der Nährwertgehalt von Lebensmittel soll auf Verpackungen vereinfacht visualisiert werden.

 

 Was in Frankreich bereits auf freiwilliger Basis der Hersteller praktiziert wird, könnte auch bald in Deutschland auf der Verpackung von Lebensmittel zu finden sein: Eine Ampel mit 5 Farben (Nutri-Score) soll dem Verbraucher Aufschluss darüber geben, ob ein Lebensmittel eine positive, oder eine negative Bilanz hat.

 

Demnach hat ein „A“ auf einem dunkelgrünen Feld eine günstigere Bilanz, als das ungünstige „E“.

 

Die Hersteller Danone und Iglo legen den Grundstein und wollen bereits freiwillig Anfang 2019 mit der Kennzeichnung beginnen.

 

Doch was sind die Hintergründe der Kennzeichnung?

 

Die Regierung verspricht sich davon, dass die Menschen sich dadurch gesünder ernähren, es weniger übergewichtige Menschen gibt und die Hersteller ihre Rezepturen zugunsten gesünderer Bestandteile überarbeiten.

 

Wie wird der Nutri-Score berechnet?

 

 Die Basis für die Bewertung eines Lebensmittels sind immer 100g.

 

Der Gehalt an Kalorien, Zucker, Fett und Salz werden als ungünstige Nährwertelemente eingestuft und erhalten zunächst Plus-Punkte. Die günstigen Nährwertelemente wie Ballaststoffe, Proteine, Früchte und Nüsse, oder Gemüse erhalten Minus-Punkte. Die Punkte werden dann miteinander verrechnet und heraus kommen Werte, die zwischen -15 (das wäre ein A) und +40 Punkte (das wäre dann ein E) liegen.

 

 So werden die die Gesamtpunkte bei Lebensmittel und Getränke im Nutri-Score verteilt:

       Lebensmittel / Getränke                                                         

 

-15 bis 1                A            

Wasser                             A

0 bis 2                   B            

-15 bis 1                            B

3 bis 10                 C            

2 bis 5                               C

11 bis 18               D            

6 bis 9                               D

Über 19                 E             

Über 10                             E

 

 

 

Soweit - Sogut.

 

Bevor man an der Skala ablesen kann, unter welchen Farben die Lebensmittel eingestuft werden, müssen wir erst einmal die Punkte ausrechnen. Diese wurden festgelegt von verschiedenen Ernährungs-Wissenschaftlern. 

                                                                                                                                                                  www.danone.de

 

 

Würde man nun eine Flasche Leinöl, das wegen seiner Omega 3-Fettsäuren überaus gesund ist, mit einer Ampel versehen, würde diese so aussehen:

 

100g Leinöl hat lt. Heseker-Tabelle:

 

900 kcal./ 10 gr. Gesättigte Fettsäuren/3 mg Natrium

 

+10+10+0 =   20 Pkt. = rotes E 

 

Gut, 100g Leinöl pro Tag sollte kein Mensch verwenden, aber dennoch bekommt das rote E so ein „Geschmäckle“. Es würde dem Verbraucher signalisieren: Achtung! Hierbei handelt es sich um ein ungünstiges Lebensmittel. Dabei ist Leinöl, wie oben schon erwähnt, sehr gesund. Es gut für das Gehirn, kann die Blut- und Nierenwerte verbessern, reguliert den Blutdruck und wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus.

 

Ich will damit nur klar machen, dass durch eine Ampelkennzeichnung durchaus gesunde Lebensmittel durch den Rost fallen könnten, obwohl diese so überaus gute Eigenschaften haben. 

 

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft) steht der Ampelkennzeichnung kritisch gegenüber. Für sie ist es „schwer vorstellbar, dass die Ampelkennzeichnung die verkündeten Ziele insbesondere zur Bekämpfung von Übergewicht erzielen wird“

 

Weiterhin sagt der BLL: „Mit dem Ampelsystem, das sich lediglich auf 4 Nährstoffe bezieht, ist eine zutreffende Einordnung eines Produktes und seine Bedeutung für die Gesamternährung nicht möglich, denn zentrale Informationen wie z.B. der Brennwert und andere wichtige Nährstoffe, wie Eiweiße, werden nicht berücksichtigt. (Quelle: http://www.bll.de/de/lebensmittel/kennzeichnung/Ampel)

 

Was sagen wir als Ernährungsberater?

 

 

Übergewicht hat vielfältige Ursachen. Es entsteht meistens nicht nur aus zu vielem Essen. Neben dem Ernährungsverhalten, insbesondere die genetische Veranlagung, sowie sozialökonomischen Faktoren spielen auch die körperliche Aktivität und Rituale eine große Rolle.

 

Um unsere Klienten beim Abnehmen zu unterstützen schauen wir nicht nur auf die Menge und die Zusammensetzung der verzehrten Lebensmittel, sondern auch auf den Aspekt, aus welchen Gründen gegessen wird und wie sich derjenige dabei bzw. danach fühlt (z.B. Stress-Essen, Essen aus Frust, Essen bei Einsamkeit, Essen als Ritual vor dem Fernseher, Essen, weil sich die Gelegenheit bietet etc.)

 

Ganz oft handelt es sich dabei nicht um Hunger!

 

Step by step empfehlen wir Lebensmittel, die vollwertig und gesund sind und lange satt machen. Meist steht am Anfang die Empfehlung, den Tagesbedarf an Flüssigkeit abzudecken. Die meisten Menschen trinken viel zu wenig, was sich negativ auf einen den gesamten Organismus und einen möglichen Gewichtsverlust auswirkt.

 

Fazit: Die Ampel wird zu großer Verwirrung führen. Sie suggeriert dem Verbraucher durch die Farben, ob er nun ein „gesundes“, oder ein „ungesundes“ Lebensmittel in den Einkaufswagen legt. Es gibt aber eigentlich keine gesunden, oder ungesundes Lebensmittel – es gibt nur deren falschen Gebrauch.

 

Das A und O für die Gesundheit ist: frische, ausgewogene und vollwertige Ernährung, Bewegung und bei Bedarf Entspannung.

 

 

 

Die Ampel

 

Die Ampel zeigt auf einen Blick, welche Farben überwiegen. Es kann dadurch eine erste Entscheidungshilfe für den Verbraucher sein. Das dahinterstehende Konstrukt aus Punkten und die Bewertung und Einteilung sind nicht transparent genug und für den normalen Verbraucher nicht gut nachvollziehbar.

 

Übergewicht reduziert man nicht dadurch, dass man ein grünes A oder B kauft. Jeder weiß, dass ein Apfel gesünder ist als ein Stück Kuchen. Es wird dadurch kein zusätzliches Wissen vermittelt.

 

Die Menschen wissen viel über gesundes Essen, zumindest in der Theorie. Nur an der Umsetzung hapert es ein wenig – dabei helfen aber auch keine Ampeln.

 

Für mich gehört dieses Thema bereits in den Kindergarten. Spätestens in der Grundschule sollte es ein Unterrichtsfach sein. Es gibt so viele schöne Unterlagen, wie man Kindern eine gesunde Ernährung näher bringen kann….

 

Wer bereits mit einem guten Wissen über gesundes Essen aufwächst, hat gute Chancen, nie eine Diät machen zu müssen.

 

Auch in Deutschland soll die Kennzeichnung auf freiwilliger Basis erfolgen! DieHersteller dürfen selbst entscheiden, ob sie Zeit und Geld investieren wollen, was dann wahrscheinlich am Ende wieder auf den Verbraucher umgelegt wird.

 

 

Was meint ihr dazu? Wir freuen uns über eure Meinung zur Lebensmittel-Kennzeichnung.

 

Schickt es uns gerne an beratung@gluexxprinzip.de, oder kommentiert es in Facebook

 

 

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